Abwanderung aus dem Handwerk

auremar/Panthermedia.net

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Einige Kolleginnen und Kollegen verlassen die Handwerksbetriebe, aber warum eigentlich? Klar, in der Industrie verdienen sie mehr Geld, aber ist das denn nun alles oder gibt es dafür noch andere Gründe? Wir haben mal ein wenig recherchiert.

Kein Einzelfall: Zahlreiche ausgebildete junge Menschen verlassen das Handwerk. Das belegt die aktuelle Studie „Verbleib und Abwanderung aus dem Handwerk“ des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen. Einige Ergebnisse:

  • 30 Prozent der jungen Handwerker verlassen bereits in den ersten Jahren nach der Ausbildung das Handwerk.
  • Eine hohe Abwanderungsquote weisen Abiturienten, Frauen, Ältere und Personen, die Körperpflege-, Reinigungs-, Textil- oder Ernährungsberufe erlernt haben, auf.
  • Gesellen aus Bau- und Ausbau- sowie Holzberufen, Handwerker mit Abschluss Meister, Techniker oder Fachwirt verbleiben eher im Handwerk
  • Die Einkommensunterschiede in Handwerk und nicht-handwerklichen Wirtschaftsbereichen haben zunehmend Einfluss auf die Abwanderung.
  • Doch es geht nicht nur ums Geld: Das zeigen die Empfehlungen, die die Autoren der Studie entwickelt haben. Ihr Rat an Betriebe:
  • Sie sollten Azubis systematisch begleiten und die jungen Menschen eng mit dem Betrieb vernetzen.
  • Da das Betriebsklima die Entscheidung von Nachwuchskräften beeinflusst, sollten Ausbilder darauf achten, dass Azubis mit dem Lehrverhältnis zufrieden sind – und gezielt nachfragen.
  • Stichwort Karrierechancen: Da es in kleinen Betrieben weniger um Übernahme- und Führungsaufgaben geht, empfehlen die Experten, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten mit dem Nachwuchs auszuarbeiten. Die Übertragung der Verantwortung für eigene Projekte oder Bereiche sei nur ein Beispiel.
  • In der Lohnproblematik sollten Chefs gezielt auf nicht-monetäre Anreize setzen: Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten, Gesundheitsförderung und ein gutes Betriebsklima seien zum Beispiel geeignet, um eine wettbewerbsfähige Stellung am Arbeitsmarkt zu erreichen.

Um geeignete und gute Mitarbeiter zu finden gibt es viele Wege. Es haben sich mehrere gleichzeitig sehr bewährt: Leute im Kundenkreis ansprechen, Zeitungswerbung, veröffentlichen freier Stellen auf der unternehmenseigenen Internetseite und das Melden von freien Arbeitsplätzen bei der HWK und dem Jobcenter. Die Menge der Bewerber bringt auch geeignete Bewerber hervor. Dazu gehört Geduld und auch ein wenig Glück. Von Vorurteilen sollte man sich frei machen.

Im Handwerk sind Wechselprämien eher noch die Ausnahme, in anderen Branchen hingegen längst gang und gäbe. Rechtlich spricht nichts dagegen.

Als Fazit kann man sagen, dass ein ordentliches Einkommen gepaart mit einem guten Betriebsklima eine gute Mischung für das Handwerk sind. Deshalb darf die Lohnentwicklung der Einkommen im Handwerk nicht hinter der in der Industrie zurückfallen. Hoffentlich sehen das die Arbeitgeber auch so, denn der Kampf um die Fachkräfte hat schon lange begonnen und wird in den nächsten Jahren sicherlich noch härter werden.

Quellennachweis: Handwerk.com

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