Gesundheits-/Leistungsbonus wird falsch berechnet!

Copyright: Wolfgang-S - Fotolia

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Seit einigen Jahren existiert im CGM Tarifvertrag der sogenannte Leistungs-/Gesundheitsbonus. Nach den Vorgaben des Tarifvertrags kann dieser bei Krankheits- und Kurtagen gekürzt werden. Solch ein Bonus in einem Ausbaugewerk, bei dem der Großteil der Beschäftigten auf unbeheizten Baustellen ackert, ist schon ein Hohn. Große Enttäuschung in Bezug auf den Gesundheitsbonus und die Formulierung „kann gekürzt werden“ gibt es zusätzlich, da diese in vielen Betrieben als „wird gekürzt“ umgesetzt wird.

Wir glaubten, es könne nicht sein, dass es einen solchen Bonus geben darf und ließen den Fall vor dem Arbeitsgericht Hannover prüfen. An eine Falschberechnung (bei 20 Tagen ist der Bonus aufgebraucht) dachten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Gesagt, getan, es machte sich ein Kollege eines Betriebsrates eines hannoverschen Elektrohandwerksunternehmens auf den Weg und klagte auf den Gesundheitsbonus. Das Urteil sieht nun ganz anders aus als gedacht und in dem CGM Tarifvertrag beschrieben. Den Bonus „darf man machen“ sagte die Richterin, aber nicht so!

Urteil : Arbeitsgericht Hannover   6 Ca 232/12

Ungekürzter Auszug aus diesem Urteil:

Die Beklagte war nicht berechtigt, eine vollständige Kürzung des Jahresbonus vorzunehmen.

Soweit S B Ziff. 2 5.2 MTV eine Kürzungsmöglichkeit um 1l2O je Tag krankheitsbedingter

Abwesenheit vorsieht, kann eine entsprechende Kürzung nur im Rahmen des S 4

a EFZG erfolgen. Nach S 4 a EFZG ist eine Vereinbarung über die Kürzung von Leistungen,

die der Arbeitgeber zusätzlich zum laufenden Arbeitsentgelt erbringt, auch für Zeiten

der Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit zulässig. Die Kürzung darf für jeden Tag der

Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit ein Viertel des Arbeitsentgelts, das im Jahresdurchschnitt

auf einen Arbeitstag entfällt, nicht überschreiten.

Mit der neuen Berechnung können nun  Kolleginnen und Kollegen auf bis zu 30 Tage ( siehe auch das Rechenbeispiel ) Krankheit kommen und bekommen bei 20 Tagen Krankheit immer noch einen dreistelligen Betrag ausbezahlt!

Dazu ein Rechenbeispiel vereinfacht:

Jahresgehalt      26.000,00 €

Jahresbonus      1.100,00 €

Summe               27.100,00 €

 

Diese Summe wird durch 260 geteilt ergibt 104,23 € davon 25% = 26,06 € um diesen Betrag darf der Bonus bei Krankheits-, Reha-, oder Kurtag nur gekürzt werden.

Leistungsbonus = 3% vom tariflichem Jahres Brutto =     780,00 € / 26,06 = 30 Tage

 

Es sind in unserem Beispiel bis zu 30 Tage im Jahr, bevor der Bonus aufgebraucht ist.

Bei 20 Kranktagen bleiben immer noch 260,60 € für den Geldbeutel, die Ihr bisher sicher abgezogen bekommen habt.

 

Anmerkung am Rande: Betriebsräte sollten und mit der Geschäftsleitung generelle versuchen übereinzukommen, dass kein Mitarbeiter einen Bonusabzug erhält. Allerdings bestehen Arbeitgeber oft auf den Abzug bei Kur bzw. Reha.

Tarifverträge der IG Metall kennen mit Krankheitstagen in Verbindung gebrachte Bonuszahlungen übrigens nicht. Wir vereinbaren normaler Weise zusätzliches Urlaubsgeld und Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld).

Ein Link zum Gesundheits- oder Leistungsbonus dazu:

http://blog.givve.com/gesundheitsbonus-ansporn-oder-motivationskiller/

 

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